Ich habe gefragt......

24.06.2014

Heute möchte ich euch den Autor Valentin Zahrnt vorstellen (siehe Rezension), der mir liebenswürdigerweise ein paar Fragen beantwortet hat:



 Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Eigentlich war ich in der Sparte „Weltverbessern“. Ich habe in Volkswirtschaft promoviert und dann in der Politikberatung gearbeitet. Aber das hat mich nicht glücklich gemacht. Allerdings ist es verdammt schwer, so eine Aufgabe an den Nagel zu hängen – so viel Leid in der Welt, und man will lieber Bücher schreiben, obwohl die Bibliotheken längst überquellen? Deswegen hat es auch ziemlich lange gedauert, bis ich mich auf das Schreiben eingelassen habe. Man kann eben nicht wählen, wofür man gemacht ist, und je länger ich schreibe, desto klarer wird mir: Dafür bin ich da.


Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich versuche, meine Bücher vorab zu planen. Nur gelingt mir das nicht. Das meiste entdecke ich während des Schreibens. Was mich übrigens amüsiert, weil ich in meiner früheren Existenz so ein systematischer Analytiker war.


 Liest du selbst auch gerne oder schreibst du lieber?

Um ehrlich zu sein: Bevor ich angefangen habe, Thriller zu schreiben, habe ich kaum welche gelesen. Ich bin mehr in der Klassiker-Ecke zu finden. Dass ich trotzdem mit Thrillern begonnen habe, liegt daran, dass ich als Kind so gerne spannende Geschichten erzählt habe. Das wurde mein Anknüpfungspunkt, da konnte ich mir vorstellen, wie gebannt die Zuhörer lauschen. Und dieses Bild hat mir bei meinem ersten Thriller tatsächlich geholfen.

Witzigerweise habe ich in den letzten beiden Jahren, also seit ich schreibe, viel weniger gelesen als davor. Wenn ich in meiner eigenen Geschichte drinstecke, kann ich nicht so leicht andere aufnehmen. Dafür habe ich den letzten Monat genossen, die Pause zwischen zwei Büchern, in der ich fast jeden Tag ein Buch verschlungen habe. Zugegeben, es waren viele Theaterstücke und Novellen dabei, sonst hätte ich das nicht geschafft – ich bin ein langsamer Leser.


Du beginnst also schon ein neues Buch? Verrätst du mir etwas darüber?

Ein Politthriller über eine Geiselnahme. Viel verraten kann ich nicht, ich kenne die Geschichte ja selbst noch nicht! Falls ihr gute Bücher oder Filme über Geiselnahmen kennt, ich freue mich über Tipps.


Welche Ziele hast du dir für 2014 gesteckt?

Ich möchte mit meinem nächsten Buch zugleich einen Thriller und einen "richtigen Roman" schreiben. Also auf der einen Seite eine spannende Handlung, auf der anderen komplexe Charaktere und detaillierte Stimmungsschilderungen. Bis zu einem gewissen Grad passt das gut zusammen, schließlich findet man eine Handlung nur spannend, wenn die Charaktere glaubwürdig und interessant sind. Aber wenn man weitergeht, wird es brutal schwierig. Wenn die Leser voll in den Thriller einsteigen, sind sie sozusagen auf der Autobahn: die ganzen Schilderungen fliegen an ihnen vorbei und sie wollen nur möglichst schnell vorankommen. Wie kann man die Charaktere dann so schildern, dass die Leser sich dennoch intensiv mit ihnen beschäftigen? Indem sie unmittelbar zur Handlung gehören. Indem die Handlung ganz aus ihnen heraus entsteht, so dass sich die weitere Entwicklung nur vorausahnen lässt, wenn man die Charaktere ganz genau beobachtet. Dafür ist eine Geiselnahme die ideale Bühne.


Wie gehst du mit Kritik um? Liest du Rezensionen zu deinen Büchern?

Ganz reflexartig: jede gute Rezension freut mich und jede schlechte tut weh. Wenn ich mir die negativen Rückmeldungen dann genauer ansehe, merke ich oft: Ich bin damit einverstanden, dass mein Buch diesem Leser nicht gefallen hat. Konkret heißt das: Ich kriege tendenziell Kritik von Lesern, die es gerne richtig blutig mögen, und das von Anfang an – da soll am liebsten schon im Prolog ein Kind im Keller gequält werden. Solche Thriller will ich eben nicht schreiben.

Daneben gibt es Kritik, die mir weiterhilft. Zum Beispiel monierten einige bei „Wildnis 1“, dass die Handlungen nicht immer nachvollziehbar seien und es manchmal zwischen den Szenen ruckele. Als ich mich nun an die Neufassung „Das Tal“ gemacht habe, war das ein nützlicher Hinweis.
Genauso wichtig war das Lob. Es motiviert nicht nur, es zeigt auch, wo die Stärken liegen. Schließlich ist das Entscheidende an einem Buch nicht, dass es keinerlei Fehler hat, sondern dass das, was den Zauber des Buches ausmacht, voll zur Entfaltung gebracht ist.
Kürzlich habe ich selbst ausnahmsweise eine Rezension geschrieben (womit ich mich sonst zurückhalte, weil ich als Autor keine Gefälligkeiten austauschen möchte). Ich hatte an dem Buch einiges auszusetzen, aber es war trotzdem ein Buch, das seine fünf Sterne unbedingt verdient hat. Einfach weil es in dem, worum es in dem Buch wirklich ging, so großartig war.

Autorenprofil:


Homer hatte es leicht: Die Sirenen sangen, die Zyklopen wüteten, Zirze zauberte - und die Zuhörer staunten. Dante reiste in die Unterwelt und Marco Polo nach China. Herrliche Zeiten des Erzählens, als es noch weiße Flecken auf der Landkarte gab. Notfalls auf dem Mars: 1938 brach bei einer Radiosendung über die Landung der Aliens bei den US-Zuhörern Panik aus.
Heute: Billigflieger, Googlemaps und Wikipedia - jeder kennt alles. Und glaubt dank Galilei, Luther und Reality-TV an nichts mehr. Dazu Ego-Shooter und Der Herr der Ringe in 3D - was schockt da noch? Und so richtig neu ist schon seit Adam nichts mehr.
Trotzdem können die Menschen es nicht lassen: Sie lieben spannende Geschichten! Und ich liebe es, sie zu schreiben. Ein Autor kann Träumen nachlauschen, einen Mondaufgang beobachten, einen Dialog vor sich hinbrabbeln und sagen: "Ich arbeite." Er kann seine Schizophrenie in Charaktere transformieren und dabei ein klein wenig Abstand vom eigenen Größenwahn und Weltschmerz gewinnen. Er muss - wie wertvoll: ein Müssen bei all der Schriftstellerfreiheit! - ein Handwerker sein, der sägt und feilt, bis er einen stimmigen Text in den Händen hält. Und das ist fast so befriedigend wie ein glattgeschliffener Tisch, der nicht wackelt. Aber dann der Clou: Der Autor muss nicht die Werkstatt auskehren, ein Knopfdruck und -


Seine Bücher:

              


   

Kommentare:

  1. ach wie cool, 2 Dumme ein Gedanke ;) Wirklich ein tolles Interview :) und ich glaub die Bücher schau ich mir mal genauer an :)

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  2. Super Interview! Die Autoreninterviews finde ich fast am besten neben den Rezis auf einem Blog :)
    Ich muss aber gestehen, dass ich diesen Autor trotz seiner interessanten Bücher nicht gekannt habe!?
    Diese Thriler muss ich mir demnächst einmal zu Gemüte führen!
    Liebe Grüße
    Jeanne

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